Agrarpolitische Fortbildungsreihe

Argumente für eine Agrarwende

Landwirtschaft steht im besonderen politischen Fokus, durch ihre zentrale Funktion zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitten und Energie. Außerdem hat sie einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt, im direkten Sinne durch Landnutzungsformen, sowie im indirekten über klimarelevante Emissionen. Vor diesem Hintergrund wird die Entwicklung der Landwirtschaft sehr stark politisch gelenkt, um soziale, wirtschaftliche und ökologische Interessen abzudecken. 

Diese Fortbildungsreihe greift aktuelle Diskussionen praxisnah auf und gibt Einblicke in gesellschaftliche Hintergründe. Sie ist ein Beitrag, um durch Bildung die Möglichkeit der demoktratischen Mittbestimmung zu fördern. 

Organisiert wurde die Reihe in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Mitteldeutschland sowie der Bundes-AbL. Sie fand in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung Thüringen e.V., Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V. und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V. statt. Zudem wurde sie von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft gefördert.

Einen Überblick über die Veranstaltungen aus dem Frühjahr 2022 finden Sie auf dieser Seite - immer mit dem Link zu der entsprechenden Videoaufzeichnung.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Entdecken!

 

Podiumsdiskussion mit Dr. Ophelia Nick (Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL): Die Landwirtschaftspolitik der kommenden 4 Jahre

17. Februar 2022

Podiumsteilnehmer:innen: Elisabeth Fresen (Bundesvorsitzende der AbL), Michael Grolm (Imker, Vorsitzender der AbL Mitteldeutschland), Gesine Langlotz (Existenzgründerin, junge AbL).

Moderation: Julia Bar-Tal

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Bäuerliche Landwirtschaft und Energiewende zusammen denken? Agri-Photovoltaiksysteme und die Zukunft von Biogas

03. März 2022

Referent:innen: Martin Schulz (Bundesvorsitzender der AbL), Uwe Welteke-Fabricius (Flexperten), Prof. Kerstin Wydra (Lehrstuhl für Pflanzenproduktion im Klimawandel)

Die Energieerzeugung Deutschlands soll den Klimazielen der Bundesregierung entsprechend bis 2045 auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden und verschärft mit diesem Anspruch die Konkurrenz landwirtschaftliche Flächen. Die Idee von Agriphotovoltaik (APV) verspricht, Land für die Bewirtschaftung zu erhalten und gleichzeitig Strom zu produzieren. Da es bereits Erfahrungen von Energieproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen durch Biogasanlagen gibt, werden wir kritisch auf die Vergangenheit blicken. Was können wir aus den Erfahrungen mit Biogasanlagen für APV lernen? Welche Rolle wird Biogas in Zukunft spielen? Wie können wir APV zugunsten einer bäuerlichen Landwirtschaft gestalten?

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Klimawandel & Landwirtschaft – Aus eigener Betroffenheit ins Handeln kommen!

17. März 2022

Referent:innen: Xenia Brand (Referentin für Klimaschutz bei der AbL), Annabelle Gérard (Tierhalterin, AbL Niedersachsen), Jan Wittenberg (Ackerbauer, AbL Niedersachsen)

Die Sommer der Jahre 2018 bis 2020 haben uns gezeigt, dass der Klimawandel in Deutschland angekommen ist, spürbar für uns alle, zuallererst für die Bäuer:innen. Bei den einen war es so trocken wie nie, bei anderen regnete es ohne Unterbrechung. Im landwirtschaftlichen Alltag löst das Stress aus, dazu kommen Frustration und Sorge um die Zukunft des Betriebs. Xenia Brand wird diese Entwicklungen kurz in einen größeren Zusammenhang von Studien stellen. Jan Wittenberg und Annabelle Gérard berichten danach aus eigener Erfahrung, wie ein Umdenken im Kopf zu einem Umdenken im Betrieb und damit einer zukunftsgewandten Form der Landwirtschaft führen kann.

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Agroforst: Zukunftsmodell für eine nachhaltige Landwirtschaft

31. März 2022

Referenten: Michael Grolm (AbL-Vorsitzender Mitteldeutschland), Daniel Fischer (Agroforst-Beauftragter der AbL), Frank Wesemann (Agroforst-Gemüsebauer)

Agroforstsysteme bieten Lebensraum und Ökosystemübergänge für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und beleben unsere Kulturlandschaft. Sie wirken als Windbremsen und Erosionsschutz und unterstützen die Wasserrückhaltefähigkeit des Bodens. Tief hinabreichende Baumwurzeln erleichtern auch Kulturpflanzen die Nährstoffaufnahme. Agroforst ist damit ebenso Klimaanpassungsmaßnahme wie ein Beitrag zu mehr Klimaschutz. Wir stellen Theorie und Praxis  der Anbauform vor, stellen Wirtschaftlichkeit und den Beitrag zur Gestaltung unserer Kulturlandschaft heraus, diskutieren Herausforderungen und Potentiale und wollen Sie mit unserer Begeisterung anstecken.

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Die Versprechen der neuen Gentechnik kritisch hinterfragt - Populationszucht statt Genome Editing

14. April 2022

Referent:innen: Dr. Carl Vollenweider (Züchter auf dem Dottenfelderhof) und Annemarie Volling (Gentechnik-Expertin der AbL)

Mittels neuer Gentechnik-Verfahren wie CRISPR/Cas sollen in relativ kurzer Zeit Pflanzen entwickelt werden können, die den Pestizideinsatz reduzieren sollen, höhere Erträge bringen sollen und die anpassungsfähig an den Klimawandel sein sollen. Wir werfen einen kritischen Blick auf diese Versprechen und stellen neue Ansätze in der Pflanzenzucht vor – wie partizipative Züchtung und Populationen.

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Saatgut und das Recht auf Nachbau – Vom Konzern zurück in bäuerliche Hände

28. April 2022

Referent:innen: Georg Janssen (Bundes-Geschäftsführer der AbL und Vorsitzender der IG Nachbau), Karsten Ellenberg (Kartoffelzüchter, Retter der Sorte Linda),  Susanne Gura (Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt)

Das Recht auf den Nachbau des verwendeten Saatguts und die Zucht von Kultursorten, die an den eigenen Betrieb angepasst sind – das sind Grundlagen der landwirtschaftlichen Arbeit, doch leider keine Selbstverständlichkeit. Für Ende 2022 plant die EU, einen Gesetzesentwurf für ein reformiertes Saatgutrecht vorzulegen, das das Saatgutrecht europaweit vereinheitlichen will. Davon werden vor allem große Unternehmen profitieren.

Wir wollen mit dieser Veranstaltung den rechtlichen Rahmen abstecken, von juristischen Auseinandersetzungen berichten und zeigen, wie wir zu mehr Vielfalt und Selbstbestimmtheit kommen.

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Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) – zwischen Bürokratie und Hebel zur Veränderung

12. Mai 2022

Referent: Phillip Brändle (Referent für Agrarpolitik bei der AbL)

5 Milliarden Euro erhält Deutschland jährlich von der EU zur Weitergabe an die landwirtschaftlichen Betriebe. Nach welchen Grundsätzen dieses Geld verteilt wird, ist essentiell für das Gelingen einer Agrarwende und für die Zukunft der bäuerlichen Betriebe in Deutschland. Wir wollen grundlegende Fragen klären zum Aufbau und der Entwicklung der GAP  in den letzten Jahren. Außerdem werfen wir einen Blick auf die kommende Förderperiode und diskutieren, wie wir auf Landesebene weiter Einfluss auf die GAP-Ausgestaltung im Sinne einer Agrarwende nehmen können.

Der Kampf um den Boden - Lebensgrundlage statt Kapitalanlage: Betriebliche und politische Ansätze für bäuerlichen Landbesitz

19. Mai 2022

Referent:innen: Gesine Langlotz (Existenzgründerin, junge AbL), Reiko Wöllert (stellv. Vorsitzender der AbL), Claudia Gerster (AbL Sachsen-Anhalt)

Der Bodenmarkt in Ostdeutschland hat einiges gemein mit dem Wohnungsmarkt in Berlin oder München. Immer mehr Land gehört immer weniger Menschen. Während Konzerne über Anteilskäufe 6000 Hektar auf einen Schlag kaufen können, finden junge Menschen keinen Zugang zu Land und die kleinen und mittelgroßen Höfe können bei Kauf- und Pachtpreisen nicht mehr mithalten. Zugleich werden fruchtbare Böden durch den Bau neuer Autobahnen und Industriegebiete versiegelt und über Jahrtausende alter Humus in ausgeräumten Agrarlandschaften vom Wind davongeweht. In dieser Veranstaltung zeigen wir auf: Was sind die zentralen Probleme der Bodenpolitik und wo sind Anknüpfungspunkte für Veränderungen? Was können Agrarstrukturgesetze bewirken? Wie können landwirtschaftliche Betriebe ihr Land sichern?

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Gemeinwohlverpachtung: Staats- und Kirchenland in Bäuerinnen- und Bauernhand

02. Juni 2022

Referent:innen: Ralf Demmerle (AbL Mitteldeutschland, NABU FAIRpachten), Anne Neuber (AbL Mitteldeutschland), Kevin Specht (Amt für Stadtentwicklung und Bauen Kyritz)

Nur etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland ist im Eigentum der Landwirt:innen. Ein Großteil der Flächen ist somit im Eigentum von Personen und Institutionen, die diese an landwirtschaftliche Betriebe verpachten. Über die Auswahl der Pächter:innen haben sie ein sehr machtvolles Instrument zur Gestaltung unserer Kulturlandschaft in der Hand: Sie können die Weichen dafür stellen, dass Arbeitsplätze in der Region erhalten oder geschaffen werden, dass ausgeräumte Landschaften wiederbelebt werden und Dörfer als Lebensraum attraktiv bleiben. Oftmals werden diese Entscheidungen jedoch einfach nach Höchstpreis oder Gewohnheitsrecht getroffen. Aber so viel mehr ist möglich! Wir zeigen auf, wie Kommunen, Städte, Kirchen, Landesregierungen und Privatpersonen Pachtprozesse gestalten und gemeinwohlorientierte Vergabekriterien etablieren können.

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